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Frühstück mit Kangaroos II

Da bin ich mal wieder.

Kangaroo mit HasenohrenIrre ich, oder schaut der kleine Kerl hier irgendwie resigniert drein? Tja, was soll ich berichten? Ich kann es gar nicht genau wiedergeben, was ich hier erlebe. Es sind die vielen kleinen Dinge, die mich hier begeistern oder woran ich merke, dass ich nicht in Deutschland lebe. Keine großen Dinge. Und irgendwie auch wie zu Haus. Sido und Boshido verfolgen mich auch hier und sogar Kommissar Rex (hier Inspektor Rex) läuft im Fernsehen. Die Lehrer stöhnen auch hier über die schreckliche Schüler und zu viel Arbeit. Die Menschen gleicher Nationalität wollen genau wie in Deutschland unter sich bleiben (die Deutschen integrieren sich hier nämlich wenig). So ist das wohl mit den Menschen.

Und doch ist irgendwie alles anders. Letzte Nacht habe ich zum ersten Mal in englischer Sprache geträumt. Ich werde aufgrund des Linksverkehrs immer noch jeden zweiten Tag fast überfahren. Bei großen Kreuzungen gibt es eine grüne Phase für die Autos und eine grüne Phase für alle Fußgänger, egal, wo du auf der Kreuzung stehst. Die Sonne brennt unglaublich, obwohl wir nur 20 Grad haben. Will gar nicht wissen, wie das im Sommer ist. Den Garten darf man nur Mi und Sonntags vor 10 Uhr gießen. In den Schulen hängen Notfallpläne für Spinnenbisse. Niemand fährt hier Fahrrad… Liegt wohl an der Helmpflicht. In die Restaurants bringt man seinen eigenen Alkohol mit und wenn man auf Klo muss, geht man häufig durch die Restaurantküche und den Koch wegschubsen, damit man durch kommt. Es gibt hier einen Eiscremeladen, der „Death by chocolade“ heißt. Der Cappuccino ist unglaublich gut, selbst aus dem Automaten. Niemand trinkt draußen am Strand ein kleines Feierabendbier, man geht immer in einen Pub. Draußen Alkohol zu trinken ist schon fast asozial und wenn, dann nur mit einer in Papier umhüllten Flasche. Freitags direkt nach der Arbeit geht es los und zwar so heftig, dass um 20 Uhr schon alle völlig lattenstramm sind. Samstag ist dann Pause und Sonntag nachmittag wird noch mal das Wochenende verabschiedet. Bildung ist hier Statussymbol. Hier wird nicht nach dem Auto gefragt, sondern nach der Schule der Kinder, die unglaublich viel Geld kostet. Bald sind Wahlen und es sieht so aus, als ob der jetzige Präsident nach zig Jahren endlich abgesetzt wird und eine sozialere Politik für mehr Gleichheit sorgen wird.

Natürlich gibt es noch so viel zu erzählen…aber es sind halt nur Kleinigkeiten und schwierig, in Worte zu fassen. Wenigstens erlebe ich keine Katastrophen mehr, der Alltag ist eingekehrt, was auch mal ganz gut tut.

Veröffentlicht am 16.August 2007 um 13:19 im Straßenblog unter der Kategorie Frau M. in Kangaroo-Country

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