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Weihnachten auf der Straße in Brasilien…

Fuer alle die es noch nicht wussten: Ich (die Wiebke)bin jetzt seit drei Monaten in Fortaleza im Nord-Osten von Brasilien und arbeite hier mit Strassenkindern. Zum einen in einem dafuer angelegten Dorf und natuerlich auch dirket mit den Kindern auf der Strasse.Ab jetzt werdet ihr alle was von meinen kleinen Anekdoten und Anekdoetchen haben, da ich sie im Strassenblog von meinem Lieblingsverein VAJA e.V. veroeffentlichen werde. (Die alten Geschichten kommen noch nach!)

Kurz zur Erklaerung der nun folgenden Namen:

Bernardo: Der Gruender des kleinen Nazareno. War frueher Franziskaner Moench, ist dann aus dem Orden ausgestiegen, und hat vor 12 Jahren den kleinen Nazareno aufgebaut. Es gibt ein Dorf in Receife, weiter im Sueden und eben das dorf in Fortaleza, in dem ich jetzt seit 3 Monaten bin.

Emanuel und Samuel:Meine Brasilianischen Freunde, die ich hier kennengelernt habe und die natuerlich genauso freakig sind, wie ich.

Peter: Ein Praktikant aus Deutschland, der zurzeit mit mir und 2 anderen im Praktikantenhaus im sitio lebt, und seinen dialekt aus Karlsruhe auch in Brasilainische mit einbaut, womit ich ihn immer wieder aufziehe (ist aber auch zu komisch!:))

weihnachtsfeier-am-lagoa.JPGThe big chilling B., wie wir Bernardo mittlerweile getauft haben (abgekürzt auch BCB) hat zum Feste geladen, und zwar am Terminal „Lagoa“. Der Bushaltestelle, an dem sich mittlerweile die meisten Strassenkinder Fortalezas aufhalten. Am 20.12. um 19.00 Uhr. Dort wurden Meterweise Tische aufgebaut und Stühle, und es gab warmes Essen für ca. 60 Kinder. Außerdem hat eine Theatergruppe gespielt und eine andere Gruppe gesungen und …

… ein wichtiger Mensch aus der Kirche in Fortaleza hat eine Rede gehalten (sorry, ich kenn mich nicht so aus mit Kirchenaemternamen)… Das ganze war schon sehr schoen, doch teilweise leicht bibellastig. Irgendwann gab es dann Geschenke fuer die Kinder. Ein grosser Sack mit Klamotten. Merkwürdig war nur, das die Kinder alle eine Nummer ziehen mussten, und letztendlich wurde dann doch der Sack einfach nur geöffnet und der Staerkste bekam eben gleich eine kompletten Klamottengarnietur und der andere nix… Auf der Strasse gibt es meistens einen Anfuehrer, der bestimmt wo es lang geht. Wenn man sich mit ihm gut stellt, hat man natuerlich auch bessere Karten.

Wirklich himmlisch war dann das Essen selbst. 60 Kinder schlangen und mampften das Essen in sich rein, als ob es kein Morgen gäbe. Und zum Schluss, als die Kinder dann keinen Hunger mehr hatten, wurde der Rest auf dem Teller an die anderen Kinder… .nein, nicht vergeben, sondern geworfen. So gab es am Ende dann eine kleine Essensschlacht, was wahrscheinlich nicht im Sinne des Erfinders war, aber lustig… ..und wenn einer mit Essen werfen darf, dann doch wohl diese Kinder. Ja, so ist das eben: bevor irgendjemand was von meinem Essen bekommt, schmeiss ich es lieber weg… Alles eine Sache der guten Erziehung… ;)Die Stimmung am Terminal war auf jeden Fall am Hoehepunkt angelangt. Insgesamt war die Stimmung auf jeden Fall sehr schön, nur die Klebstoffflaschen machten einem wieder mal arg zu schaffen und Peter sass irgendwann nur noch benebelt und kaum ansprechbar an der Seite. Er sei so ueberwaeltigt, hat er gemeint… ja, so kann man das auch nennen…
Das Fest selbst war schon super, aber das ganze Drumherum war eigentlich noch am schoensten. Die Kinder hatten unglaublich viel Spass daran, am Tage alles vorzubereiten und aufzubauen. Vor allem waren sie alle ganz aufgeregt, denn sie standen endlich mal im Mittelpunkt… Beim Fest selbst waren noch Menschen von anderen Hilfsorganisationen dabei und 10 von unseren Kindern aus dem sitio. Das war ganz merkwürdig: man merkte richtig, wie stolz unsere sitio-Kinder auf sich und auf uns waren. Obwohl wir uns ja eigentlich erst am morgen gesehen hatten, hatten sie fast alle das Bedürfnis uns vor der masse an Menschen in den Arm zu nehmen: seht her, das sind Menschen, denen wir was wehrt sind! Ganz merkwürdig… aber schön.
Die Autofahrt zum Lagoa war bereits eine spannende Angelegenheit. Ich war vorher noch bei Emanuel und Samuel, weil ich vorher mit Vanderillo und einem der Jungen Weihnachtseinkaeufe erledigen musste und nicht mit meinen ganzen Sachen zum Terminal wollte. Samuel und Emanuel hatten sich entschlossen, auch hinzufahren und so sind wir mit deren Auto los. Irgendwann fing der Wagen dann ganz furchtbar an zu stinken und wenn Samuel anfuhr, konnte er die ersten 500 Meter nur mit 10 kmh fahren, waehrend der Motor am Aufheulen war. Samuel war schon tierisch am schwitzen und wurde immer nervoeser, so dass er auf meine Befehle (links – rechts) nicht mehr richtig reagierte (dazu kommt, das Brasilianer unvorhersehbaren Situationen im Verkehr absolut nicht gewachsen sind. Schon das einparken dauert meist ueber 5 Minuten – na! da sag noch mal ein Mann was ueber deutsche Frauen!!!), so sind wir dann ploetzlich in irgendeiner dunklen Sackgasse gelandet. Alles duster, komische gestalten und der Wagen funktionierte nicht mehr. Ich glaube wir haben alle drei das selbe gedacht: Bitte jetzt nicht stehen bleiben, bitte jetzt nicht ste… ..“Letzendlich haben wir es dann, mit einer Stunde Verspaetung doch noch geschafft. Noch nie war ich so froh ueber meine eigene Ankunft…

Veröffentlicht am 27.Dezember 2006 um 15:43 im Straßenblog unter der Kategorie Barfuß in Brasilien

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