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Abschiede

Tschoess, die ersteAm Montag abend, vor der Abreise von Christina, sind Christina und ich noch ganz spontan mit Brause und 2 Kuchen zum Terminal gefahren um eine spontane Abschiedsparty zu schmeissen. Das war sehr schoen, wenn es nicht jedesmal ein totales Chaos waere, wenn man
Essen verteilt. Jedesmal heult wieder einer, oder schlaegt sich um das letzte Stueck Kuchen. Bruno war leider auch wieder da und ganz offensichtlich auf Crack, und Christine hat ihm noch ein letztes mal eingeimpft, dass er unbedingt von der Strasse weg muss, …

… denn alleine die Zeit ueber, die wir den Terminal zusammen aufgesucht haben, ist Bruno extremst abgemagert. Um ihm das nochmal zu verdeutlichen, habe ich von allen Seiten Fotos von ihm gemacht, ohne T-shirt und er hat sich beim Anblick seiner Bilder sichtlich erschrocken. Ich glaube das alles und der Abschied von Christina und das Treffen von ihm und Osmar hat dann letztendlich dazu gefuehrt, das er sich am naechsten Tag ganz spontan dazu entschlossen hat, in eine Einrichtung zu gehen. Ich war am naechsten morgen, bevor ich zum Flughafen gefahren bin, noch alleine am Terminal, dort hat Bruno mich dann zur Seite genommen, und mich gefragt, wie es Osmar geht und wann er ihn endlich wiedersehen kann. Ich habe dann gesagt, wenn er letzendlich irgendwann ins sitio will, das er die Drogen aus dem Hals lassen muss, das er wieder zu kraeften kommen muss, damit Bernardo sieht, das er den Willen hat, es zu schaffen. Da hat er
mich schon ganz traurig angesehen. BrunoDann hat er
mich ganz lange angeguckt und zu mir gesagt:” Tia Christina faehrt heute weg!?” Da habe ich gesagt: „Christina ist toll, oder!” Da hat Bruno ganz furchtbar angefangen zu weinen. So haben wir dann da bestimmt 15 Minuten zusammen gesessen. Ich mit dem weinenden Bruno im Arm und musste
mich zusammenreissen, das ich nicht selber gleich weine. Irgendwann kamen dann die Leute von der Funcie und als ich mich mittlerweile schon mit einem anderen Kind unterhalten habe, habe ich gesehen, wie er mit einem der Educadores von der Funcie an der Telefonzelle stand, da wusste ich eigentlich schon bescheid. Spaeter ist er dann ganz aufgeregt und durch die Gegend springend zu mir gekommen und hat gesagt, das er heute abend noch ins „casa dos meninos” gebracht wird. Ich habe mit einem der funcie abgemacht, das wir uns naechste Woche kurzschliessen, damit ich irgendwann die naechsten Wochen ihn dort zusammen mit Osmar besuchen kann. Das ist doch noch viel besser, als ein Treffen irgendwo in Maranguape. Ich bin mir allerdings jetzt schon sicher, das ich da noch einige Ueberzeugungsarbeit leisten muss, weil die brasilianischen Einrichtungen fuer Strassenkinder oft eine voellig andere Ansicht von paedagogischer Arbeit haben und das mit Sicherheit als Risiko ansehen, wenn die beiden aufeinander treffen… Klar ist das ein Risiko, aber das ganze Leben ist in jeder Stundeund immer wieder sowas wie ein Risiko und wenn man diese Risiken nicht eingeht, passiert eben einfach gar nix. Wolln wir doch mal sehn… ..Wir haben Myre Helen am Dienstag zusammen mit Christina und Peter am Flughafen verabschiedet. Ich war vorher noch auf der Strasse und habe dort Tian getroffen, der sich eigentlich unbedingt noch von Chrsitina verabscheiden wollte, aber am Vortag nicht am Terminal war. So hab ich ihn dann kurzerhand mitgenommen. Mit ihm ist das dann doch etwas entspannter, als z.B. mit Nayela, denn erstens ist Tian nicht staendig breit und zweitens ist er erstmal duschen und sich was frisches anziehen gegangen… .So sahen wir fast aus… .wie Mutter und Sohn… waere da nicht diese total Unaehnlichkeit gewesen. Auf dem Weg zum Flughafen hat er mir dann noch erzaehlt, das er sich eigentlich nur von Christina verabschieden will und nicht von Myre Helen… .bestimmt wieder irgendwelche Beziehungskisten, die dahinter stehen… . Letztendlich lagen sich die beiden aber doch ganz lange in den Armen und haben sich voneinendaer verabschiedet. Myre Helen war die ganze Zeit ganz ruhig, bis sie dann in den Terminal rein mussten und Christine zu ihr meinte: „Sag Tschuess zu
Fortaleza!”. Da merkte man richtig, wie ihr innerlich ploetzlich all die Jahre in
Fortaleza vor Augen abliefen und nateurlich musste sie dann doch noch weinen. Es wird wohl der letzte Tag in Fortaleza gewesen sein… Hoffentlich… ..Im Moment ist sie mit Christina in Salvador und morgen wird sie in
Rio de Janeiro ankommen. Chrsitina wird mir sicherlich berichten… ..Auch Artilla ist gestern endlich in der Einrichtung angekommen und somit in Sicherheit. Ich werde versuchen, sie uebernaechste Woche dort zu besuchen.Der SchlafplatzDie Schikane gegenueber den Strassenkindern am Lagoa geht natuerlich auch weiter. Neben naechtlichen Ueberfaellen der Polizei auf die Kinder und offensichtlichen Schlaegen, werden jetzt schon auesserst merkwuerdige Massnahmen ergriffen: Die Kinder liegen morgens wenn man frueh dort ankommt immer zu ungefaehr 20igst auf 4 Matratzen und schlafen. Das sieht total suess aus. Vorletzte Woche sind dann irgendwann alle aufgestanden haben sich verteilt. Ploetzlich ist ein Wachmann gekommen, zusammen mit einer Frau und hat eine der Matrazen der Kinder weggetragen. Christine hat noch gedacht: ach wie nett, die sichern jetzt ueber Tag die Matratzen der Kinder… .. Leider falsch… .Die beiden haben doch tatsaechlich zusammen die Matratze auf die anderen Seite des Terminals getragen und verbrannt… .Das war echt mal strange… Vor allem am hellichten Tag. Die Geschaeftsleute und die Wachmaenner denken sich eigentlich staendig irgendwas neues aus, mal lassen sie die Kinder einfach von irgendwelchen Leuten zusamenschlagen oder klauen ihr einziges Hab und Gut,… ja… oder sie verbrennen am hellichten Tag ihre Matratzen. Die muessen sich der Sympathie der Bevoelkerung betreffend ihrer Handlungen, auf jeden Fall aeusserst sicher sein. Christina und ich haben ueberlegt, dass man sich nachts mal mit Fotoapparat auf die Lauer legen sollte und man fotografieren und filmen sollte, wenn die Polizei kommt, und wieder gegen die Kinder vorgeht. Mein Ekel gegen die Polizei am Lagoa ist auf jeden Fall 1000 mal grosser, als mein Ekel vor den Kindern… ..NayelaNayela irrt irgendwie immer noch ziellos durch die Gegend. Am letzten Donnerstag hat die Funcie wohl einen erneuten Anlauf genommen und sie in eine Einrichtung gebracht… werde allerdings erst am Montag erfahren, was daraus geworden ist. Nayela ist eine waschechte Vagabundin. Und vor allem staendig total zugedroehnt… .Ich glaube auch das genau das das Problem ist, und sie nur schwierig vom Klebstoff wegzubringen sein wird. So konnte sie auch nicht mit zum Flughafen um Myre Helen zu verabscheiden, weil sie einfach total zugeballert war. Sie hat
mich mal wieder so an die 100 mal gefragt, ob ich nicht einfach ihre Mutter sein kann. Naja, sie waere vom Alter her aus dem groebsten raus, nur leider von allem anderen her nicht… ..ich glaube tatsaechlich, das sie den Traum hat, mit mir nach Deutschland zu kommen… ..

Veröffentlicht am 17.März 2007 um 11:46 im Straßenblog unter der Kategorie Barfuß in Brasilien

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